Christian's Gästebuch

... Ihre Meinung ist sehr wichtig ...

Zum Eintragen HIER klicken !


Eintrag 411-420 von 478 Einträgen
<< vorherige Seite |  weitere Einträge >>

Susel
susann-albrecht@gmx.de 
Eintrag am 19.03.2003  
\"Die Heilung von allen Krankheiten und Übeln, von den Kümmernissen und Sorgen und von den Verbrechen der Menschheit liegt in dem einem Wort \"LIebe\". Es ist die Lebenskraft die das Leben schafft und erhält. Jedem von uns gibt sie die Kraft, Wunder zu vollbringen, wenn wir es wollen.\" Mein lieber Christian, auch ich möchte dir heute ein paar Zeilen mit auf deinen Weg geben. Einen Weg, den du ganz allein mit deiner Kraft und Energie gehen musst, um zu uns zurück ins Leben zu finden. Den Spruch habe ich ausgesucht, weil es Menschen um dich herum gibt, die dich über alle Maßen lieben. Deine Eltern, die Tag und Nacht über dein Befinden wachen, deine Schwester, die auf ihre schier unnachahmliche Weise einen großen Teil an Optimismus und Aufmunterung liefert und deine Pflege so oft es möglich ist mit übernimmt, deine Großeltern, die mit so großen Herzen bestückt sind, dass man es gar nicht in Worte fassen kann und nicht zuletzt deine Therapeuten, Lehrer und Ärzte, die sich die ganze Woche über um dich kümmern. Auch Freunde deiner Eltern und Bekannte sind da, die ein wenig Abwechslung und Gesellilgkeit in deinen Alltag bringen. Und nicht zuletzt deine Katze, die sich in deiner Nähe und vor allem auf deinem Bett besonders wohl fühlt . Lieber Christian, das Leben ist etwas Großes, etwas Einmaliges und viel zu viele Menschen gehen viel zu unachtsam damit um. Menschen aber, die andere Zeiten kennengelernt haben, die zwischen den Welten gelebt haben, wissen, wie kostbar es ist, zu leben. Auch du wirst wieder zu uns ins Leben zurückfinden, da bin ich mir ganz sicher. Ich kenne dich als einen Jungen voller Lebensmut und Elan und daher weiss ich, dass du es schaffen wirst. Außerdem sind all diese lieben Menschen da, die dir ein Stütze für diesen schweren Weg sein werden. Alles Liebe, Susel


Gizella
ghemmer@web.de 
Eintrag am 05.03.2003  
Interview mit Zoltán Zemlényi im November 2002 Vor 15 Jahren musstest Du als 15-jähriger Junge beweisen, dass Du normal bist. Denn niemand wollte Dir das glauben. Seit 15 Jahren ruhst Du nicht, Du hast ein Tagebuch geschrieben, dann drei weitere Bücher, hältst Vorträge, besuchst Schulen, und erinnerst Dich … ist es für Dich nicht schwer, die alten Wunden immer wieder aufzureißen oder kann man sich daran gewöhnen? - Für mich gibt es keine Wunden! Ohne Zweifel habe ich harte Zeiten durchgemacht, aber diese bargen riesengroße Möglichkeiten, die nur wenigen Menschen zuteil werden. Darunter verstehe ich, dass ich wirklich zeigen konnte, wozu ich fähig bin. Von der vollständigen Lähmung aus meinen heutigen Zustand zu erreichen, betrachte ich nicht als besonders schwierig, sondern sehe es so: ich hatte keine andere Wahl. Jeder, der bei klarem Verstand ist, will bestimmt nicht für immer in so einem Zustand bleiben, und wenn er nur eine einzige Möglichkeit hat, aus dieser Situation herauszukommen. Und ich sah diese Möglichkeit. Und was ich seitdem tue ist nichts anderes, als meine Erlebnisse mit dem breiten Publikum zu teilen. Ich habe in den vergangenen 15 Jahren so viel Schönes, Gutes, Nachahmenswertes und Beispielhaftes durchlebt, dass ich nicht fähig war, das alles für mich zu behalten. Meine Energie fließt aus mir heraus, ich versuche all das, meine Gefühle, meine Gedanken während meiner Vorträge, Veranstaltungen und auch in meinen Büchern meinem Publikum, meinen Lesern weiterzugeben. Ich genieße das. Die meisten Menschen resignieren, wenn ihnen etwas furchtbar Schlechtes widerfährt … Aber bei Dir, bei Deiner Arbeit spürt man nichts dergleichen. Verrate uns, wie Du das machst! - Es klingt wahrscheinlich seltsam, aber ich habe diese Tragödie zu keiner Zeit als etwas „Schlechtes“ angesehen. Das Leben hält für jeden Aufgaben, große Aufgaben, bereit - mir wurde eben diese zugeteilt. Woher nimmst Du diese unglaubliche Energie? - Mich wundert’s, warum andere nicht genau so viel haben! Wie kamst Du nach dem Unfall zum Schreiben? - Also nach dem Unfall hatte ich schon ganz schön viele Probleme, wenn ich ehrlich bin, eine ganze Menge! Da ich zu nichts fähig war, habe ich versucht, meinen Kampf gegen die enormen Verletzungen verschiedenster Art, die mich getroffen hatten, auf der Schreibmaschine auszutragen. Was gab dir die Kraft, Dich selbst immer wieder dazu zu zwingen, nicht aufzugeben – denn am Anfang war rein physisch alles schrecklich schwer für Dich. - Ich kann nur nochmals sagen: Ich habe die Schwierigkeiten nie überbewertet. Neben den langweiligen Dingen gab es eine ganze Menge Interessantes, ich musste es nur finden. Für einen Durchschnittsjungen – wie auch ich einer war – ist es etwas ganz Natürliches, morgens aufzustehen, sich die Augen zu reiben, sich zu strecken, ins Badezimmer zu gehen, den Zahnputzbecher anzufassen, die Zähne zu putzen, dabei den anderen Familienmitgliedern „Guten Morgen“ zu wünschen und so weiter. Ein Gelähmter – wie ich einer war – muß sich damit anfreunden, dass er wenige Minuten zuvor im Traum gerade noch spazieren war und gesprochen hat, nachdem er aber wach geworden ist, in Wirklichkeit rein gar nichts kann, weder laufen noch sprechen. Ich musste alles Schritt für Schritt wieder lernen. Die Bewegungen, das Sprechen. So habe ich beispielsweise im Alter von 16 Jahren gelernt, wie schwer es ist, den Kopf aufrecht zu halten. Dieses Erlebnis ist mit nichts zu vergleichen. Als man mich nach mehrmonatigem Liegen in den Rollstuhl gesetzt hat, hat es für mich eine riesengroße Anstrengung bedeutet, meinen Kopf aufrecht zu halten, es gelang mir erst nach Wochen, ständig ist er runtergekippt. Sitzen konnte ich auch nur wenige Minuten lang, man musste mich an die Rückenlehne schnallen, sonst wäre ich runtergerutscht, ich konnte mich nicht halten. Es war sehr, sehr anstrengend, ich habe nur gejammert, wie ein machtloser Frosch. Ich habe meinen Kopf mit irrsinniger Kraftanstrengung hochgehoben, um jemanden mit meinen Augen zu finden, der sich erbarmt und mich wieder ins Bett legt. Ich habe alles Beschämende auf mich genommen, denn ich hatte keine andere Wahl. Viel später, als ich wieder einige Schritte laufen konnte, begann ich auch zu lernen, wie man Laute im Mund- und Rachenbereich bildet. Wen interessiert das sonst? Damals aber gab es kein Pardon. Ich musste meine gelähmte Zunge mit viel, viel Kraft hinter die obere Zahnreihe heben, wenn ich „lö“ sagen wollte. „Nö“, das ging schon etwas leichter, mit der Silbe „dö“ habe ich bis heute Schwierigkeiten. Die im Rachen zu bildenden Silben waren am schwierigsten, wie zum Beispiel „kö“ und „gö“. „Mö“ ging verhältnismäßig leicht, um „bö“ aussprechen zu können, habe ich Jahre (!) gebraucht. Es dauerte Monate, bis es mir gelang, einen einzigen Buchstaben oder eine einzige Silbe auszusprechen. Und zwar so auszusprechen, dass es von einem anderen auch verstanden wird. Hinzu kam, dass meine Lunge verengt war, so musste ich viel üben, wie man richtig Luft holt. Ein langer, langer Weg, aber ich hatte keine Wahl. Ich habe mich daran erinnert, wie ich früher war, und ich wollte unbedingt dort weitermachen, wo ich aufgehört hatte. Das alles war nicht ohne … aber die Ergebnisse waren viel greifbarer, als es das Lernen von Algebra-Aufgaben je hätte sein können. Was fällt dir aus Deiner Teenager-Zeit als Erstes ein? Hast Du schöne Erlebnisse, an die Du Dich sehr gerne erinnerst? - Ich hatte eine sehr glückliche Teenagerzeit. Vor dem Unfall konnte ich all meinen Interessen nachgehen, alles ausprobieren, was mich interessiert hat. Ich habe leidenschaftlich gezeichnet, bin jeden Tag um 5 Uhr morgens aufgestanden, um zeichnen zu können, bevor die Schule losging, alle meine Bücher waren voll mit Zeichnungen, ich habe eigene Comics gezeichnet und getextet. Den Namen der Comicfigur bekam dann mein älterer Sohn, Barnabas. Ich habe sogar während des Unterrichts gezeichnet, mich hat es nicht gestört, wenn mir der Lehrer das Heft abnahm, dann kam das nächste Heft dran. Nachmittags ging ich zum Kanu-Training. Für mich gibt es keine schönere Sportart als Kanu! Die Wellen schneiden, den Duft der Donau einatmen, ein Teil der Natur werden, und nach dem Training total erschöpft nach Hause gehen, denn das Kanufahren verlangt Ochsenkraft. Diese Erlebnisse möchte ich gegen nichts eintauschen. Und dann habe ich noch mit meinem besten Freund Fesoh Musik gemacht. Wir komponierten ein Lied nach dem anderen und nahmen es auf Kassette auf. Wir haben täglich viel Blödsinn gemacht. Meine Eltern mochten Fesoh nicht, er hatte in der Schule einen schlechten Ruf, aber nach dem Unfall haben sie ihre Meinung geändert, denn Fesoh war der Einzige, der auch nach dem Unfall zu mir gehalten hat. Fesoh ist der Hauptdarsteller meines Buches. Heute hat er keine Haare mehr und einen Bauchansatz. Nach so vielen Jahren wurde er von einem Regisseur entdeckt, und jetzt spielt er die Haupt- und Titelrolle des Filmes „János Szabó“. Premiere ist Januar / Februar 2003. Auch ich spiele darin eine Rolle und auch mein Bruder Nulli. Können wir in Zukunft weitere Bücher von Dir erwarten? - In meinem Kopf ist das fünfte Buch bereits fertig. Wenn man Dich fragt, was das Wort „Glück“ für Dich bedeutet, was würdest Du sagen? - Für mich bedeutet Glück, wenn man sich selbst verwirklichen kann. Und weil das bei mir so ist, bin ich ein glücklicher Mensch – so, wie ich bin.


Gizella
ghemmer@web.de 
Eintrag am 05.03.2003  
FAMILIENBLATT – Monatsblatt des Ungarischen Roten Kreuzes – April 1988 HOPPARESIMI! \"... Am 7. März 1985 versuchte Zoltán Zemlényi, die Kreuzung Lenin-Ring / 7.-November-Platz bei Rot zu überqueren. Er wurde von dem PKW mit dem amtlichen Kennzeichen TH 13-31 erfaßt und durch die Luft geschleudert. Durch den Unfall erlitt Zoltán Zemlényi Verletzungen mit einer Heilungsdauer von mehr als 8 Tagen. Am PKW entstand Sachschaden.\" „Jeden Tag, als er aus der Schule nach Hause kam, hat er mich angerufen. An jenem Tag habe ich umsonst auf seinen Anruf gewartet. Zwar schreibt man in den Romanen, daß eine Mutter immer eine Vorahnung hat ... Aber ich hatte an jenem Tag keine. An meinem Ar-beitsplatz war viel Trubel, der Namenstag Thomas ... Und dann, etwa um halb drei am Nachmittag, dachte ich: Warum hat mich das Kind nicht angerufen? Ich rief meinen Mann in seinem Büro an, seine Sekretärin gab mir so eigenartige Antworten ... Ich war sogar ein wenig beleidigt: Was denkt sie bloß, mir würde gar nicht einfallen, meinen Mann zu kontrollieren! Ich wollte nur wissen, ob das Kind eventuell dort angerufen hat ... Nach einer Stunde erschien mein Mann, ich soll den Mantel anziehen, da der Junge einen Unfall hatte ... Ich habe nichts verstanden, ich habe nichts gefragt, eine komische Leere entstand in mir, ich sagte mir nur unentwegt, bestimmt hat er sich ein Bein oder die Hand gebrochen ...“ Der 15-jährige Junge erlitt an jenem Tag einen Beinbruch, einen Schädelbasisbruch ... Er war am 7.-November-Platz von einem Trabi überfahren worden. Der Junge war bis zu diesem Tag ein guter Schüler, er liebte den Sport, ist Kanu gefahren, war ein großer KISS-Fan und tat noch so allerhand ... Durch den Unfall lag er vier Wochen lang im Koma ... „Man hat mich nicht ins Krankenhaus reingelassen. Mein Mann telefonierte stündlich, oder er wurde angerufen. Ich hörte nur, daß er noch nicht operiert wird. Warum? Warum nicht? Worauf warten sie? Später wurde mir klar, warum ... Warum sie gewartet haben ... Am nächsten Morgen um halb sechs durften wir endlich ins Krankenhaus. Eine Schwester fragte, was diese Eile soll. Wir sagten, unser Kind hatte einen Unfall. Ja der, der lebensbedrohlich ..., dann gehen sie nur! Wir durften ihn nur durchs Fenster anschauen. Ich habe ihn kaum erkannt. Er sah so aus, mein Armes ..., aber so ... Wie ein großer Ball war sein Gesicht angeschwollen ... Mehrere lagen in diesem Zimmer, man sagte uns, er liegt hinten ... Egal wen sie uns gezeigt hätten ... ich habe mein Kind nicht er-kannt ... Tage vergingen. Das Wasser verschwand aus seinem Gesicht, er war wieder so schön wie früher. Und in seinem schönen Gesicht waren nur noch seine geschlossenen Augen mit den langen Wimpern die alten ... Er hat doch so wunderschöne Wimpern! Ich wußte was geschehen war, aber ich habe es nicht geglaubt, ich wollte es nicht glauben! Ich ging jeden Tag ins Krankenhaus, hatte uneingeschränkten Einlaß ... Ich schimpfte mit meinem Mann, warum er so eisern geschwiegen hatte und nicht mit mir ins Krankenhaus gehen wollte. Er saß nur neben dem Telefon und starrte es an. Ich sagte, es ist eine charakteristische Eigenschaft der Männer, daß sie in großer Not zusammenbrechen ... Es tut mir leid, daß ich das zu ihm gesagt habe. Erst später habe ich erfahren, daß mein Sohn sich in jenen Tagen in größter Gefahr befand ... Es hat mich gewundert, daß mir die Chefärztin mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen ist ... Für mich war wichtig, daß sein Gesicht schön und ruhig ist, daß die Wunde auf seiner Stirn langsam heller wurde, daß seine Haare langsam zu wachsen begannen ... Wie schrecklich eine Mutter doch sein kann, nicht wahr?! Es vergingen lange-lange vier Wochen. Ich wurde immer beklommener, ich fing schon langsam an, meinem Mann zu glauben, aber ich wollte ihm nicht glauben, ihm nicht und den Ärzten nicht ... Und eines Tages, als ich ihn besucht habe, sah ich, daß sich seine Wimpern bewegen. Ich sprach zu ihm: Ich bin es, mein kleiner Junge ... Neben seinem Bett standen allerhand Geräte, die über ihn wachten ... Und dann plötzlich, das eine Gerät, das seine Herzfunktion überwachte, schlug groß aus! Er hat meine Stimme erkannt, er ist bei sich! ... Und dann begann ich zu schluchzen und zu weinen ... Von diesem Tag an haben wir immer länger miteinander „gesprochen“. Ich sagte etwas, er blinzelte mit seinen Augen, nickte ein wenig mit dem Kopf ... Die Ärzte sagten, er wird geistig nie wieder gesund. Ich wollte es nicht glauben, wie sollte ich es auch! An einer Hand konnte er, zwar nur sehr, sehr wenig, aber dennoch die Finger bewegen. Wir begannen zu zählen! Ich sagte zwei, und er, wenn auch etwas unsicher, er zeigte es ... Und dann haben wir alle mathematischen Übungen, die man mit einer Hand nur machen kann, durchgeführt. Wer rechnen kann, der kann doch kein Idiot sein! Ich war beflügelt. Man hat mir einen Dämpfer versetzt. Man sagte mir, ich soll froh sein, wenn er Zeit seines Lebens überhaupt im Rollstuhl sitzen kann ... Wenn er, sich an Möbelstücken festhaltend, ein-zwei Meter zurücklegen kann ... Ich hätte mich auch damit abgefunden, denn ich nehme ihn auch so an ... Ich hätte ihn auch angenommen, wenn ich ihn ein Leben lang hätte windeln müssen. Aber als man mir gesagt hat, daß er in seinem ganzen Leben nie wieder je ein Wort wird aussprechen können, bin ich zusammengebrochen. Mein Junge, der immer so toll reden konnte, mit seinem fabelhaften Humor, der soll nie wieder sprechen können?! Nein! Nein! Und nochmals Nein! Als er ins Landes-Medizinische Institut für Rehabiliation (LMIR) verlegt wurde, habe ich meine Arbeitsstelle aufgegeben. Ich hatte riesengroßes Glück. In diesem Institut suchte man gerade eine Sekretärin. Und mein Chef war sehr verständnisvoll. Man hat mir erlaubt, daß ich ihn füttern, ihn waschen und ihm die Zähne putzen darf. Weiß Du, daß es etwas vollkommen anderes ist, wenn Du die Zähne eines anderen putzt und nicht Deine eigenen? Ich habe ständig gezittert, daß er beim Essen ja nicht erstickt ... Er konnte nur etwas Breiiges schlucken, und auch das nur qual-voll ... Wie oft haben mein Mann und ich ihn auf den Kopf gestellt, als er bereits zu Hause war, damit er nicht erstickt! ... Ich habe sehr oft geweint – im Stillen. Ich war böse auf meinen Mann, weil er das Kind auch noch nach dem Pflicht-Programm der Rehabilitation „gequält hat“ (mir erschien das als sadistische Quälerei) ... Er hat ihn mit Gurten an die Sprossenwand gehängt, damit er stehen lernt, damit er gerade stehen lernt ... Heute weiß ich, er hatte Recht. Und das Kind auch. Das Kind, das mit immenser Willenskraft bewiesen hat, wozu es fähig ist ... Er hat das „Sprechen mit der Tafel“ erfunden, und er wußte von Anfang an, daß er geistig völlig normal ist, und daß er irgendwann wieder sprechen lernen wird ... Der Junge hat wunderschön gezeichnet. Nach dem Unfall konnte er seine rechte Hand nicht mehr benutzen. Die linke nur ein ganz klein wenig. Er hat gelernt, mit der linken Hand zu schreiben, zu zeichnen. Sein rechtes Handgelenk schient er sich noch heute tagtäglich. Er schläft auch damit. Obwohl, als mein Mann ihm die Schiene angelegt hat, mit Eis behandelt, gedrückt und gezogen hat, haben wir gemeinsam vor Schmerzen gebrüllt. Er lautlos, ich laut.“ Wie konnte man die Monate, die Jahre überstehen? „Meine Augen sind kaputt gegangen, die Nervosität hat sie kaputt gemacht. Aber das soll das Schlimmste sein ...“ Den Jungen, der am 7. März 1985 einen Autounfall hatte, und seine Mutter, die dieses Geständnis ablegte, kennen viele. Die Buchsensation des Jahres 1987 war das Buch von Zoltán Zemlényi mit dem Titel „HOPPARESIMI!“ Dieses Buch ist der Triumph des menschlichen Willens. Der Triumph des Willens, der Triumph des Geistes, der Triumph des Humors, der Triumph des familiären Zusammenhalts. Durch das Buch kennen Sie alle Zoli sehr gut. Diejenigen, die das Buch gelesen haben, wissen, welche „Beziehungen“ er auch „stumm“ aufbauen konnte. Mit dem Krankenhauspersonal, mit den Sanitätern, mit den Logopäden, mit Freunden ... und seine tiefe Verbundenheit zu seiner Familie wurde noch inniger. Lassen Sie mich ein paar seiner Zeilen zitieren: „Umm sagte: \"Es gibt bestimmt nicht noch so eine verrückte Mutter wie mich, die bereit ist, den Tisch auf den Kopf zu stellen, nur weil das der Wunsch ihres Sohnes ist.\" Meiner Meinung nach stimmt das nicht so ganz, denn wenn jemand eine gute Ummogo sein möchte, dann ist das das mindeste! – Und meine Umm ist eine gute Umm!“ Wer das Buch nicht gelesen hat, hat keine Ahnung wer Umm ist. „Umm“ entstammt der Phantasie des Kindes und des Ehemannes, ursprünglich hieß es „Summogo“. Dahinter verbirgt sich eine manchmal schimpfende, manchmal schreiende, oft zu streng erscheinende „Henne“, die zwei Jungen das Leben geschenkt hat. Und die ihr ganzes Leben lang eine gute Umm sein wollte ... Ende Januer 1988 trafen wir uns an einem trüben Nachmittag. Sie erzählte, was sie empfand, als sie vom Unfall ihres Sohnes erfuhr, wie es danach weiterging, und wie es heute für sie ist ... Sie zittert, wenn der Junge auf die Straße runtergehen will. Sie hat Angst um ihn und sagt trotzdem lächelnd zu ihm: Geh nur! Ich kann ihn doch nicht in einen Glaskasten einsperren. Und obwohl ich am liebsten ständig seinen Kopf streicheln würde, weiß ich, daß er es nicht mag, als Muttersöhnchen zu gelten ... Das geht ja auch nicht. Im Mai wird er offiziell volljährig, erwachsen sein. Und wenn ich ihm den Kopf streicheln will, zieht er ihn weg und sagt: Weißt Du, wen Du später streicheln sollst? Dein Enkelkind ... Wenn es schon soweit wäre!“ Ja. SAGT ER! Denn wer nicht geglaubt hat, daß dieser Junge jemals sprechen wird, kann sich wundern! Über all das, was in dieser Familie geschehen ist. Die Kraft des Willens. Und der Junge, seine Eltern, die Logopädin hatten die Kraft, diesem Wunder entgegenzugehen ... Der Junge spricht, und ich verstehe, was er sagt. Und jedermann versteht, der „seine seelischen Ohren nicht verschließt“. Denn wenn jemand nicht aufgeschlossen ist, demgegenüber verschließt sich der Junge. Für immer. „Nein, daran habe ich nie gedacht, und will ich auch nie denken, was geworden wäre, wenn ... Wenn damals dieser Trabi nicht gekommen wäre ... Für mich ist er eben so. Für immer so. Mein Kind!“ KATALIN ÕSZ


Gizella Hemmer
ghemmer@web.de 
Eintrag am 04.03.2003  
www.hopparesimi.de Zoltáns Buch „Hopparesimi!“ ist kein sachbuchartiger Erfahrungsbericht im herkömmlichen Sinne. Es ist vielmehr auch von literarischer Natur und gleichzeitig durchgängig von Zoltáns Erfahrungen mit den Konduktoren und den Therapeuten durchzogen. Das Buch ist als Ganzes auch aus der Sicht der konduktiven Pädagogik empfehlenswert, was Leserstimmen bestätigen, beispielsweise: „Ein Buch, das sich zu lesen äußerst lohnt! Das Werk lässt einen aktiv teilnehmen am Leben eines Betroffenen. Nicht nur für Selbstbetroffene bzw. deren Angehörige zum „neuen Mut schöpfen“, sondern auch gut geeignet für alle Therapeuten, die sich mit der Problematik der Schädel-Hirn-Traumatiker beschäftigen. Fast wäre ich dazu geneigt, anzuraten, dieses als Pflichtlektüre für alle Schüler der med. Assistenzberufe (PT/Ergo/Logo) zu empfehlen. Mich persönlich hat es sehr bewegt, trotz meiner 20-jährigen Berufstätigkeit. Ein Buch für ruhige, nachdenkliche Minuten. Ein Buch, das unruhig und betroffen, jedoch auch Mut macht – zum Leben.“ – H.S., Physiotherapeut Hierzu möchte ich noch anmerken: In einem e-mail-Wechsel mit Zoltán vor wenigen Tagen berichtete er uns, dass das Buch in Ungarn in allen Schulen / Hochschulen für medizinisch-pflegerische Berufe aller Art zur Pflichtlektüre bestimmt wurde. -- Zoltán Zemlényi wurde am 5. Mai 1970 in Budapest geboren, wo er seitdem auch lebt. Intellektuelle Familie, ein Bruder. Absolut durchschnittlich. Oder vielleicht doch nicht? Er war ein \"erfolgreiches\" Kind – erzählt er. Auch begabt: Er konnte gut zeichnen, trieb Sport mit ausgezeichneten Resultaten: er war 4mal Kanu-Landesmeister, gewann 4mal die Goldmedaille. Er sang und spielte Schlagzeug in einer Band. Seine schulischen Leistungen waren meist ganz passabel. Alles in allem hatte er eine glückliche Kindheit. Hatte. Denn dann kam der Bruch! Am 7. März 1985, im Alter von knapp 15 Jahren, wurde er von einem Auto überfahren und erlitt schwerste Schädel-Hirnverletzungen. Niemand glaubte, daß er überleben werde. Als er aus dem 4-wöchigen Koma erwachte, stellten die Ärzte fest, daß er vollständig gelähmt war. Da er nicht sprechen konnte, dauerte es wiederum Wochen, bis die Ärzte, das Pflegepersonal und die Menschen in seiner Umgebung erkannten, daß sein Geist völlig intakt geblieben war. Heute würde man diesen Zustand als \"Locked-in-Syndrom\" – eingeschlossen im eigenen Körper, der Geist ist aber hellwach – bezeichnen. Als es ihm nach und nach ein wenig besser ging, begann er mit seinem zu dieser Zeit einzigen noch beweglichen Finger, seinem linken Zeigefinger, auf einer alten Schreibmaschine sein Tagebuch zu schreiben. \"Ich saß im Rollstuhl, dazu verdammt, stumm und gelähmt zu sein. Themen hatte ich zur Genüge: Die Mehrzahl meiner alten Freunde blieb mir fern, kam überhaupt nicht mehr zu mir. Meine Eltern standen zu mir, aber alle, die im Krankenhaus um mich herum waren, betrachteten und behandelten mich – mit der einem Hirngeschädigten gebührenden Art, ziemlich von oben herab – wie einen Idioten. Ich konnte nicht antworten, da meine Lippen bzw. die zum Sprechen unentbehrlichen Muskeln vollkommen verkrampft waren. Das ist eigentlich – zumindest teilweise – heute noch so.\" – berichtet er. Unter dem Titel \"HOPPARESIMI!\" wurde Zoltáns Tagebuch in Ungarn der größte Bucherfolg der letzten Jahre, und er erhielt zahlreiche Preise dafür. Bereits 1994 wurde er mit 24 Jahren in den PEN-Club aufgenommen. \"In diesem verhängnisvollen Augenblick ist ein Schlagzeuger, Schönheitskönig, Zeichenkünstler und Kanu-Landesmeister gestorben – aber ein Schriftsteller wurde geboren\" schrieb man über ihn. Ein Theaterstück wurde geschrieben und jahrelang im Madách-Kamara-Theater in Budapest gezeigt. Bei der Premiere wurden sowohl der Hauptdarsteller als auch Zoltán Zemlényi frenetisch vom Publikum gefeiert. Es ist immer wieder ergreifend, diesen bewegenden Moment anhand des Videomaterials mitzuerleben. Einer der herausragendsten Preise ist der \"Niveaupreis\" des Ungarischen Fernsehens, die höchste Auszeichnung für einen Künstler/Schriftsteller auf dem Gebiet Literatur, Theater- und Filmkunst in Ungarn, den er anlässlich des Fernsehfilmes erhielt. Zoltáns Popularität ist in ganz Ungarn bis heute ungebrochen. 90 Prozent der Bevölkerung sind er und sein Buch \"Hopparesimi!\" ein Begriff. Er hat mit seinem Tagebuch in Ungarn etwas Unglaubliches bewirkt: Er wurde zum Vorbild einer ganzen Generation. Dies bestätigt u.a. auch der \"Jugendpreis des Parlaments\", den er im Jahre 1988 mit folgendem Urkundentext erhielt: \"Für den Schüler Zoltán Zemlényi, für den 17jährigen Autor des Buches mit dem Titel \'HOPPARESIMI!\', der einer Altersklasse angehört, die nach Vorbildern sucht, und zu deren Vorbild und Symbolfigur er wurde – zur Ermutigung ...\" Der junge Autor hat den Menschen gezeigt, daß wirklich alles möglich ist. Gleichzeitig hat er die Leute aber auch wachgerüttelt und ihnen klar gemacht, daß ein verändertes Bewußtsein im Umgang mit sog. \"Behinderten\" vonnöten ist. \"Bin ich behindert? Nein. Ich habe nur ein Handicap. Hast Du keins?\" – ist sein Motto. Mittlerweile steht das Buch „Hopparesimi!“ im Fach Ethik für die 7. und 8. Klassen aller Schularten in Ungarn auf dem Lehrplan. Ein kurzer Auszug aus der Einleitung des Lehrbuches \"Lebenswege. Eigenschaften, die als \'vorbildlich\' gelten\": \"In diesem Buch haben wir die Lebenswege einiger ausgewählter Könige, Wissenschaftler, Dichter, Künstler und Politiker nachgezeichnet. In zwei Fällen haben wir eine Ausnahme gemacht. Der erste ist Jesus Christus, der unserer Meinung nach der erste Mensch war, der erkannt hat, daß das Wichtigste zwischen den Menschen die Liebe ist, die selbstlose Liebe. Er zeigte es uns mit seiner Lehre und mit seinem Leben. Es ist erstrebenswert, seinem Beispiel zu folgen. Der zweite ist Zoltán Zemlényi, ein unter uns lebender junger Mann, der mit seiner Willenskraft für alle ein Beispiel gibt. Er nimmt als Zeitgenosse Platz in der Reihe der außergewöhlichen Lebenswege. Aus dem Tagebuch von Zoltán Zemlényi entstand ein Roman, später ein Theaterstück, das im Madách Kamara Theater mit großem Erfolg gespielt wird. Lest das Buch unbedingt! Zoltán Zemlényi ist Euer Zeitgenosse, der Euch ein Beispiel gibt, wie man Herr über die hoffnungsloseste Situation im Leben werden kann, und wie man zu einem schaffenden Menschen werden kann. Zoltán Zemlényi, der Champion der Willenskraft.\" Sein Buch beschreibt das erste Jahr nach dem Unfall. \"1 Jahr, 16 Institute. An mir hat man so ziemlich alles ausprobiert.\" Heute antwortet er jedesmal auf die Frage: \"Was hat Dich/Sie so gesund gemacht?\": \"1. Meine Willenskraft 2. Jegliche Art medizinischer Versorgung 3. Die Liebe meiner Familie, meiner Umgebung und der noch verbliebenen Freunde. Mehr braucht man nicht.\" Die \"Petö-Methode\", auch \"konduktive Pädagogik\" genannt, ist in Deutschland unter dem Begriff \"Konduktive Förderung\" bekannt. Das Berufsbild des/der \"Konduktor/in\" gibt es nur in Ungarn. Mittlerweile gibt es Bestrebungen, es auch in Deutschland, besonders in Bayern, zu etablieren. Es bündelt verschiedene spezielle Kenntnisse und Tätigkeitsfelder in einer Person, so daß ein/e Konduktor/in sowohl Sprach-, Lern- und Beschäftigungstherapeut/in als auch Psychologe/in und Krankengymnast/in ist. Die Konduktoren, die Zoltán betreuten, haben maßgeblich dazu beigetragen, daß er in seiner Genesung stets Fortschritte machte. Zoltán besucht noch heute die Patienten in der Unfallklinik in Budapest, trifft die Angehörigen der Schädel-/Hirnverletzten, berichtet den Ärzten, in welchem Zustand er was empfunden und wahrgenommen hat, gibt den Medizinern Anregungen, die auch bei den Behandlungsmethoden Berücksichtigung finden, macht den Angehörigen Mut, spricht zu den Patienten, befaßt sich mit ihnen und streichelt sie usw. Das Tagebuch zu lesen ist erheiternd und anrührend zugleich, sowohl voller Witz und Esprit als auch nachdenklich stimmend. Doch \"HOPPARESIMI!\" zeichnet sich vor allem durch den Lebenswillen und die lebensbejahende Haltung Zoltán Zemlényis aus. Er sagt: \"Wenn mein Buch nur einem einzigen Menschen Mut und Hoffnung geben kann, dann hat meine Tragödie ihren Sinn gehabt.\" Die erste Auflage von \"HOPPARESIMI!\" in Höhe von fast 70.0000 Exemplaren war innerhalb von 4 Wochen vergriffen. Das Buch wurde auf dem Schwarzmarkt für ein Vielfaches des Verkaufspreises gehandelt. Die zweite Auflage, 20.000 Exemplare, war ebenso auf Anhieb ausverkauft – wenn man bedenkt, daß Ungarn nur 10 Millionen Einwohner hat! Das Buch wurde aus fast allen Bibliotheken in Ungarn gestohlen. Unzählige Übersetzer versuchten, \"HOPPARESIMI!\" in verschiedenste Sprachen zu übertragen, jedoch vergeblich. So galt das Buch 12 Jahre lang als unübersetzbar. Nach über sechs Jahren mühevoller Arbeit konnten wir die deutsche Fassung von \"HOPPARESIMI!\" auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren. Da sich der gesundheitliche Zustand des Autors Zoltán Zemlényi mittlerweile erheblich gebessert hat und er nicht mehr auf einen Rollstuhl angewiesen ist, war es ihm sogar möglich, ohne Begleitung mit dem Flugzeug aus Ungarn zur Buchmesse anzureisen. Das Interesse ihm und seinem Buch gegenüber war überwältigend. So wurde er während der Frankfurter Buchmesse von ZDF und DSF sowie von mehreren Rundfunk-Journalisten porträtiert. Seitdem wurden Buch und Autor mehrmals im SWR und kürzlich im WDR vorgestellt. Mittlerweile haben wir mehr über das Locked-in Syndrom erfahren, so z.B. auch, daß die davon betroffenen Patienten eine kürzere Lebenserwartung haben, und viele Locked-in-Patienten bereits verstorben sind. Zoltáns Schilderungen decken sich mit denen, die ein Locked-in Syndrom kennzeichnen. In der ersten Zeit nach dem Unfall konnte niemand darüber Auskunft geben, ob und inwieweit sein Bewußtsein geschädigt worden war, und ob er eine geistige Behinderung davongetragen hatte. Seine Eltern waren jedoch davon überzeugt, daß dies nicht der Fall ist. Als Zoltán endlich die Augen öffnen und schließen konnte, war es ihm möglich, auf diese Weise mit seiner Familie zu \"kommunizieren\", wenigstens in der Form von \"Ja\" und \"Nein\". Der Anfang war gemacht, aber es sollte noch lange dauern, bis Zoltán sich mit Hilfe einer \"Tafel\" verständigen konnte. Er erinnert sich noch recht genau an diese Phase und kann eine Menge über diesen Zustand berichten. Zoltán Zemlényi ist heute 31 Jahre alt, verheiratet und hat zwei kleine Söhne. Er hat seine Frau erst nach dem Unfall kennengelernt. Seine Frau ist nicht behindert. Er bringt seine Söhne täglich in den Kindergarten und in die Schule und leistet große Aufklärungsarbeit, da er häufig solche und ähnliche Fragen von Kameraden beider Söhne beantworten muß: \"Warum ist Dein Vater so?\" Zoltán besucht noch heute Schulen und hält Diskussionsrunden mit Schülerinnen und Schülern. Er versucht so, einen positiven Beitrag zur aktuellen Debatte um Werte zu leisten. Zoltán möchte auch bei den deutschsprachigen Lesern Vieles bewirken. In Ungarn bereits mehrfach preisgekrönt, wurde die deutsche Fassung nominiert für den Übersetzerpreis der Leipziger Buchmesse: \"Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung – Literaturübersetzung ins Deutsche\". – Vorgeschlagen für die „Leseempfehlung der Stiftung Lesen“ Zoltán Zemlényi: HOPPARESIMI! ISBN 3-9806979-0-8


Gizella Hemmer
ghemmer@web.de 
Eintrag am 04.03.2003  
Lieber Christian, wie versprochen, noch Information von Zoltán zemlényi www.hopparesimi.de Zoltán hat uns immer wieder Details zu seinem Unfall erzählt. „... Meine Augen waren offen, aber ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Die Ärzte dachten, ich sei im Koma. ... Ich sah die weiße Decke. Die Tage flossen inein-ander, da ich weder einen Kalender noch eine Uhr gesehen habe, und auch niemand darüber etwas zu mir gesagt hat. ... Ich weiß aber mit Sicherheit, dass ich von Anfang an alles gesehen, gehört und verstanden habe. Manchmal konnte ich nur nicht unter-scheiden, was Traum ist, was Wirklichkeit. ... Die Ärzte und das Pflegepersonal wür-den gut daran tun, uns Patienten so zu behandeln, als ob wir normal wären und alles verstünden. ... Mich hat man wie einen Idioten behandelt, der nichts hört, nichts sieht, nichts versteht, nichts wahrnimmt. ... Ich hatte eine solche Wut ... ich wollte denen unbedingt beweisen ... Im Nachhinein: Diese Wut war in meinem Fall eine gute Trieb-feder.“ „… Fesoh war der schlechteste Schüler in unserer Klasse. Aber er war der einzige, der mich gleich nach dem Unfall besucht hat. Er war der einzige, der mich ganz normal behandelt hat. Damals, als ich noch da lag wie ein Stück Stein, als ich mich noch gar nicht rühren konnte. Er hat mich einfach so behandelt, als ob ich alles sehen, hören und wahrnehmen könnte. Er kam, und hat einfach mit mir rumgeblödelt. Er hat mir die Schülerstreiche aus der Klasse erzählt. Einmal sagte er zu mir: \"Heee, Alter, na, wird\'s bald?\" und ich mußte innerlich so sehr lachen, obwohl ich mich gar nicht bewegen konnte. Und ich wußte, es wird bald. Es hat mir so sehr geholfen, dass er niemals mit-leidig gesagt hat \"Oh, Du armer ...\". Dieses „es wird bald“ hat zwar Jahre gedauert, aber alle Anstrengungen haben sich gelohnt!!!“ „... Und dass meine Eltern mir ein Bild von meiner Lieblings-Band, der KISS-Band gezeigt und an meinem Bett aufgehängt haben ... und eine Kassette von KISS zum Anhören mitgebracht haben, die sie immer wieder laufen ließen ... Ich habe es einfach genossen.“ … „Er schaut ins Leere, nimmt seine Umgebung nicht wahr“– sagt jemand am Bett eines Patienten… Zoltán hat uns kürzlich bei einem e-mail-Wechsel zum Thema: „ins Leere schauen“ geschrieben: … Ihm ging es anfänglich genauso: Er bewegte die Augen, dann schaute er ins Leere, und er hat gehört, wie seine Mutter zu seinem Vater sagt: Jetzt ist er bestimmt wieder ganz weit weg, schau seine Augen an, sie sind ganz glasig, jetzt nimmt er uns be-stimmt nicht wahr. – Und er hat sich so geärgert, denn erst Monate später konnte er diese Situation seinen Eltern erklären, dass er sehr wohl alles mitbekommen und ge-hört hat, er war nur einfach von einer Minute auf die andere nicht mehr fähig, seine Augen so zu bewegen, so zu kontrollieren, dass es danach aussieht, als ob er „voll da wäre“ und alles wahrnähme. Er wusste, „in diesem Moment kann ich meine Augen nicht so „stellen“, nicht unter Kontrolle halten, dass sie sehen, dass ich sie wahrneh-me.“ Wie sehr er sich auch bemühte und anstrengte, es hat nicht funktioniert. Zoltán meinte, die schlimmsten Monate für ihn waren die, bis man endlich verstanden hat, dass er auch dann alles wahrgenommen hat und wahrnimmt, wenn es gar nicht danach aus-sieht. „… Es ging langsam aufwärts, aber dann stellte sich einige Monate lang Stagnation ein. Man darf trotzdem mit den Übungen und Behandlungsmethoden nicht aufhören, man darf nicht aufgeben! Die meisten geben zu diesem Zeitpunkt, nach anfänglichen Bemühungen und An-strengungen, auf. Sie denken, weiter geht\'s nicht mehr, es wird nicht besser. Und dann will auch die Krankenkasse nicht mehr zahlen. Man muß mit allen Übungen, mit allen Behandlungsmethoden unbedingt weiterma-chen. Und dann, nach Monaten, gibt es wieder urplötzlich einen Schub der Besse-rung. Und dann wieder Stagnation ... wieder Besserung. Also: Stagnation ... Schub der Besserung ... Stagnation ... Schub der Besserung. Auf keinen Fall resignieren und auf-geben!!! Ich bin das beste Beispiel dafür, was Ausdauer bewirken kann.


Gizella Hemmer
ghemmer@web.de 
Eintrag am 04.03.2003  
Lieber Christian, liebe Familie, zufällig landete ich auf dieser Seite - und ich glaube, es gibt keine Zufälle. Ich möchte Euch unbedingt das Buch Zoltán Zemlényi: Hopparesimi! empfehlen! Bitte, betrachtet es nicht so, daß ich Euch das Buch verkaufen will!!!! Wir sind mit Herz und Seele dabei, Menschen, wie Christian zu helfen. Zoltán möchte auch im deutschsprachigen Raum Vieles bewirken. Kürzlich haben wir ein Interview mit Zoltáns Vater übersetzt, vielleicht findet Ihr einige Impulse darin. Kann Christian sich auf Fragen in irgendeiner Weise äußern? Zum Beispiel mit den Augen blinzeln, einen Finger bewegen? Bitte fragt mich! Vielleicht können wir Euch durch Zoltáns Erfahrungen irgendwie weiterhelfen! Ich werde noch mehrere zusätzlichen Informationen ins Gästebuch eintragen, Zoltán sieht es gerne, wenn alle Informationen weitergegeben werden. Mit lieben Grüßen Gizella Interview mit Dr. András Zemlényi (Vater von Zoltán Zemlényi) - Übersetzt von Gizella und Sandra Hemmer - \"Wie müssen sich die Eltern in einer solchen Situation verhalten, wenn dem eigenen Sohn solch\' eine Tragödie widerfährt?! Wir wussten es nicht. Und wir waren auch ratlos. Aber wir haben gehofft und vertraut, wie jedermann. Man hofft doch ein ganzes Leben lang, nicht wahr? Ich glaube, das ist das Natürlichste auf der Welt. Als wir plötzlich bemerkten, dass er bei Bewusstsein war, und sahen, wie schwerwiegend die Folgen des Unfalls waren, haben wir versucht, von allen möglichen Seiten Rat einzuholen, wie man diese ganze Situation angehen soll. Wir waren gezwungen, eine ganze Menge Dinge kennen zu lernen, von denen wir früher keine Ahnung hatten. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Manches, was wir ausprobierten, zunächst erfolglos schien. Später aber zeigte sich, dass man nur mehr Ausdauer haben muss, und der Erfolg stellt sich ein. Es gab eine ganze Menge Dinge zu lösen, an die noch keiner gedacht hatte, für die niemand einen Lösungsweg, eine Richtung, vorgezeichnet hatte. Zoltán konnte zunächst nur seine Augen öffnen und schließen. Dann bemerkten wir, dass er einigermaßen bei Bewusstsein ist – wir sahen es an seinen Augen und seinem Blick. Durch seine Blicke konnte man spüren und verstehen, dass er etwas sagen möchte, er kann es nur nicht. Können Sie sich vorstellen, wie schwierig es ist, eine Kommunikationsform mit einem Kind, das vollständig gelähmt ist, sich überhaupt nicht rühren kann, zu finden oder sogar zu erfinden? Man muss sich also die verrücktesten Sachen einfallen lassen. Und das ist nicht einfach. Zunächst konnte er nur die Augen öffnen und schließen. Wir begannen damit, dass er bei \"Ja\" die Augen schließen, bei \"Nein\" offen lassen soll. Diese Lösung erwies sich nicht lange als brauchbar, denn er konnte die Augen nicht lange offen halten; war das jetzt ein Ja oder ein Nein? Diese Methode hat nicht funktioniert. Viele Wochen später konnte er sein rechtes Bein etwas bewegen. Dann kam die erste \"Tafel\" mit \"Ja\" und \"Nein\". Ich habe mir gedacht, ich teste mal, ob der Junge normal geblieben ist, oder ob er durch den Unfall zum Idioten geworden ist. Ich wollte von ihm wissen, was die Hauptstadt von Griechenland ist. Ich habe die Städte aufgezählt und dabei das Blatt mit der Aufschrift \"Ja\" und \"Nein\" zu seinem rechten Zeh gehalten. Rom ... London ... Paris ... Athen … Und er zeigte jedesmal auf \"Nein\". Ohhhh! - dachte ich. Dieser Junge ist doch ein Idiot geworden. Monate später, als wir mit der Tafel, die er auch in seinem Buch \"Hopparesimi!\" beschreibt, zu kommunizieren begannen, war sein allererster Satz: \"Apuschka, bevor mich dieser Trabi überfahren hat, wusste ich auch nicht, was die Hauptstadt von Griechenland ist, wie soll ich das jetzt nach dem Unfall wissen?\" Wir haben die Tafel weiterentwickelt. Da man mit „JA“ und „NEIN“ allein nicht gut kommunizieren kann, haben wir verschiedene Wörter wie „schon“, „vielleicht“, „später“ usw. eingefügt. So entstand die Tafel, worauf außer allen Buchstaben des Alphabets viele Schlüsselwörter, Bindewörter usw. notiert waren. So konnte er mit Hilfe dieser Tafel viel schneller ganze Sätze bilden, er musste nicht umständlich buchstabierend „Ich habe Hunger“ zeigen, sondern er konnte direkt auf diese drei Wörter zeigen. Die Präpositionen wie „mit, auf, an, von, zu“ usw. erwiesen sich ebenso als optimale Hilfe. Mit dieser von uns erstellten Tafel konnten wir sehr gut miteinander kommunizieren. So miteinander zu kommunizieren war für uns viel leichter, als die Umgebung davon zu überzeugen, dass man mit meinem Sohn kommunizieren kann. Das war am schwierigsten. Das war eine harte Nuss. Neun Monate lang lag er horizontal. Dann begannen wir, ihn mit Gurten an den Stuhl zu binden, damit er so langsam auch in die vertikale Lage kommt. Wir begannen mit 2 Minuten, 3 Minuten, 4 Minuten ... für ihn waren es fürchterliche Schmerzen. Der Junge hat früher alles auf Zeit gemacht. Er hat beim Kanu-Training mit der Stopp-Uhr gelernt, dass man alles auf Zeit machen muss und kann. Und hier, jetzt, wollte er auch einen Rekord nach dem anderen aufstellen. Nach etwa 3 Wochen waren wir bei anderthalb Stunden, und dann stagnierte es 2 Monate lang. Der Junge hat ständig auf\'s Bett gezeigt, dass er sich wieder hinlegen will. Irgendwann gab es wieder einen Punkt, von da an ging alles wieder viel schneller ... schneller (!) ... also schneller als bisher. Da bekam ich wieder neuen Mut und dachte, wenn dieses Kind sitzen kann, dann ist es nur noch ein Schritt, und er kann auch stehen. Er wird lernen zu stehen. Aber wie? Ich habe meine Kollegen, den Spengler, der bei uns etwas repariert hatte, dann alle möglichen Leute angesprochen. So auch die Bauarbeiter, die auf dem Dach angegurtet gearbeitet haben. Und siehe da, die nächste Technik entstand: Wir montierten zwei Haken in den Türrahmen, daran haben wir die Gurte gebunden, und den Jungen praktisch darin aufgehängt. Nun, ein bisschen bequem war er schon, er hat seine Knie gebeugt und sich einfach hängen, einfach baumeln lassen. So wird das nichts – dachte ich -, so wird er nie aufrecht stehen. Deshalb griff ich zu einer drastischeren Methode: Die Länge des Gurtes wurde so eingestellt, dass er in seinen Po schneidet, wenn er die Knie beugt. Aber damit er auch ein wenig Spaß an der Sache hat und motiviert ist, haben wir ihm gegenüber das Fernsehgerät hingestellt und seine Lieblingszeichentrickfilme und Lieblingsvideos eingeschaltet. Er war ein sehr großer KISS-Fan, und in dieser Zeit durfte er sich die KISS-Video-Kassetten nur \"beim Stehen\" anschauen. Es war eine wahre Freude zu sehen, wie wunderbar er wieder gerade stehen konnte, und wie schnell er lernte, auch ohne Gurt zu stehen. Diese Übungen praktizierten wir freitags bis sonntags, als er aus der Klinik nach Hause durfte. Schließlich waren wie soweit, dass er sicher stehen konnte, auch ohne Gurt. Na denn, dachte ich, jetzt werden wir es denen in der Klinik zeigen. Eines Montags, als ich ihn in die Klinik zurückbrachte, stellte ich ihn in die Mitte des Krankenzimmers. \"Bleib\' hier stehen, ich hole gleich den Herrn Oberarzt!\" Er kam, schaute als erstes auf Zoltáns Bett, ihm wäre nicht einmal der Gedanke gekommen, dass Zoltán in der Mitte des Zimmers stehen könnte. Dann zeigten und erklärten wir, wie er stehen gelernt hatte. \"Ohhh, jaaa, wir haben im Gymnastikraum nebenan solche Gurte, wo die Patienten ihre Übungen machen, aber bei Zoltán hätten wir es nie für möglich gehalten, dass er jemals wieder wird stehen können!\" Wir können nicht vergessen, dass nicht alles nur zum Lachen war. Innerhalb von 2 Jahren 16 Institute, 12 Operationen. Es war eine furchtbar harte Zeit, besonders für ihn. Er selbst musste zu der Erkenntnis kommen, dass er entweder für immer im Rollstuhl sitzen bleibt, oder alles dafür tut, aus dem Rollstuhl raus zu kommen. Denn eine Querschnittslähmung hatte er nicht. Unter schrecklichen Schmerzen haben wir täglich in anderthalbstündiger Arbeit versucht, seine in Kontraktur nach hinten stehende Hand mit Chloretyll, Salbei und Eis nach vorne zu ziehen. Er sagte mir: \"Apuschka ... komm ... hol’ meine Hand nach vorne ... lass’ es uns wieder versuchen ...\" Und diese Erfolge ... wie soll ich sagen ... diese Erfolge sind einfach Erfolge hoch 100. Denn als der Junge klein war und laufen lernte, haben wir uns sehr gefreut. Aber das war die natürlichste Sache der Welt ... Und jetzt, nach dem Unfall, als er einen einzigen Finger das erste Mal bewegt hat ... also ... also ... eine größere Freude kann es im Leben eines Vaters nicht geben ... und dann der zweite Finger ... der dritte Finger ... und so weiter. Sein Leben fängt erst jetzt an. Ich würde mich freuen, wenn er ein erfolgreicher Schriftsteller werden würde ... oder Journalist ... oder Angestellter ... ich würde mich freuen, wenn er ein glücklicher Familienvater werden würde ... alles ist möglich.“ www.hopparesimi.de


Daniel Dietrich
danielglauchau@web.de 
Eintrag am 03.03.2003  
Hallo Christian & Familie! Endlich ist es soweit und ich kann ins Gästebuch schreiben. Hab mir auch gleich den Newsletter bestellt. Die Internetseite ist sehr schön und wahnsinnig umfangreich. Christian kann stolz auf seine Eltern und seine Schwester sein. Sie geben anderen Betroffenen damit bestimmt auch viel Kraft, Mut und vor allem Hoffnung. Denn denkt immer daran: die Hoffnung stirbt zuletzt. Alles Gute, euer Daniel


Anonym
Anonymer@anonym.com 
Eintrag am 26.02.2003  
Denkt immer daran: Wunder darf man nicht erhofen, aber man darf sie erwarten. bei Christian werden noch viele kommen denkt aber auchdaran sie können auch gehen!!!


Christoph
markus-steht-auf@web.de 
Eintrag am 26.02.2003  
Hallo, Ich sehe Markus ist jetzt auch (fest) verlinkt bei euch naja Markus seine Homepage hat keien vortschritte gemacht ich werde sie auch erst später wieder ändeer (weglöschen von textstellen etc.) naja bei Markus ist jetzt sogar ein Chat auf der Seite (auch wenn dieser Sinnlos erscheint ist es gut für ähnlich betroffene Konntakt dann darüber aufzunehmen zu vwelchen die ein gleiches oder ähnliches Schiksal haben) naja bei euch kommt ja nie lange weile auf . viel spass noch!!! Christoph


Stöpsel
Stöpsel@christian-wach-auf.de 
Eintrag am 24.02.2003  
Hey, die neuen Seiten sind echt toll geworden, ich bin begeistert! Das Glück im Leben besteht auch darin, ein Unklück zu überwinden. Lothar Habler Viele Grüße auch an Michael,der immer alles so schön verfolgt, und alles Gute! Bye, Eure Stöpsel


Eintrag 411-420 von 478 Einträgen
<< vorherige Seite |  weitere Einträge >>


Hier Eintrag hinzufügen !