Mai 2002 - Christian Wach Auf

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Mai 2002

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Christian

Von Anfang an.

Geboren bin ich am 24.12.1986 in Lichtenstein. Ja, es war ein Heiligabendvormittag.
Aber mein Zuhause ist in Crimmitschau, einer Kleinstadt in Sachsen.
Hier wohne ich mit meinen Eltern, meiner 3 Jahre älteren Schwester, dem Kater Amigo, und der Katze Nicky in einem Haus mit Garten daran.
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Mit 1 Jahr kam ich in die Kinderkrippe und lernte danach auch den Kindergarten kennen.
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1992 hatte ich Schulanfang und besuchte die Käthe-Kollwitz-Schule.
Ab der 5.Klasse kam ich auf das Julius- Motteler- Gymnasium.

Meine besten Freunde sind dort Matthias und Frank. Damals spielte ich auch Fußball, im Verein Motor Crimmitschau. Irgendwann merkte ich jedoch, dass das nicht das Richtige für mich war und hängte die Fußballschuhe an den Nagel. Ich absolvierte lieber einen Schreibmaschinenkurs, um zügiger am Computer vorwärts zu kommen. Meine Hobbys sind Spiele an der Playstation, das Basteln, Legotechnik, aber auch die Briefmarken.
Am liebsten helfe ich jedoch immer meinem Vater beim Bau und Umbau des Hauses.
Die handwerklichen Dinge fallen mir leicht, selbst das Bohren oder Löten habe ich schon frühzeitig mühelos erlernt.
Um mein Taschengeld aufzubessern, begann ich, als ich 13 war, immer Sonnabend früh den Wochenspiegel auszutragen. Diese Aufgabe nehme ich sehr ernst, obwohl ich große Angst vor den Hunden mancher Grundstücke habe. Deshalb gehe ich immer sehr zeitig los, in der Hoffnung, dass sie noch schlafen.
In unserem Garten habe ich ein Baumhaus, auf dem alten Birnbaum.
Meine Mutter sieht es nicht gern, wenn ich da hinaufklettere. Auch mit dem Fahrrad darf ich leider nicht so weg, wie ich es will. Sie hat immer Angst, dass mir etwas passiert.
Im Sommer gehe ich gern schwimmen in unser "Sahnbad".
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Auch eigene Haustiere hatte ich in meinem Zimmer, erst eine Maus (von meiner Schwester übernommen) und dann später eine Zwerghamsterin, der ich den Namen "Rosé With Abdugather" gegeben habe. Den Namen habe ich aus den Film "Titanic". Obwohl Rosé nicht die Freundin unserer Katzen wurde, hat sie es gut beim mir gehabt. Ich bastelte ihr sogar eine Beleuchtung in den Käfig und sorgte immer dafür, dass es ihr an nichts fehlte.
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Dann kam ein Tag, der 02.Juli 2000, der alles bisherige für mich und meine Familie verändert hat. Gegen 17:00 Uhr überlegten wir noch, wer was im Fernsehen ansieht. Ich wollte den Film mit den Spice Girls sehen, mein Vati wollte das EM-Fußballspiel sehen und meine Mutti wollte lieber ein Video anschauen. Doch es kam alles anders.
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Meine Schwester und ihr Freund wollten mit dem Auto nach Lauterbach fahren und dort Kirschen pflücken. Da wollte ich unbedingt mit. Meine Mutti hat es mir erlaubt. Wir fuhren los und sahen irgendwann an einer Landstrasse Bäume voller Kirschen. Wir hielten an und jeder kletterte auf einen Baum, um welche zu pflücken....
Dann ist es passiert, kein Ast brach und trotzdem bin ich heruntergefallen...............
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Seit Juni 2001 bin ich wieder zu Hause, in einem neuen Zimmer, jetzt im Erdgeschoss. Doch ich habe dafür gekämpft, um zurückzukommen, und wie. Eine Odyssee liegt hinter mir und meiner Familie. Nach wochenlangen Aufenthalten in Krankenhäusern, zahllosen Operationen und einem dreiviertel Jahr mit meiner lieben Mutti in einer Rehaklink.
Während dieser langen Zeit lernten meine Eltern und ich viele Ärzte, Schwestern, Pfleger und Therapeuten kennen. Manche retteten mir einige Male das Leben, halfen mir in den schwersten Stunden, mit vollem Einsatz, taten was sie konnten und das mit Erfolg.
Andere jedoch gaben mir keine Chance und traten auf den Gefühlen meiner Eltern mit Füßen herum. Oder sie versagten völlig, in dem sie genau das taten, was falsch war.
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Für mich und meine Familie ist nichts mehr so wie es früher mal war. Nach langer, unendlich langer Zeit im tiefen Wachkoma, versuche ich nun langsam den Nebel zu durchbrechen, um auch für alle Außenstehenden sichtbarer zurückzukehren.
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Dank meiner lieben Eltern, den Großeltern, Therapeuten und nicht zu vergessen, den Ärzten, die mich nicht aufgeben, habe ich große Fortschritte gemacht.
Ich brauche keine Trachealkanüle mehr, (früher, am Anfang der Reha und davor konnte ich nicht mal mehr selbst atmen), jetzt übe ich fleißig trinken und essen - manchmal ist auch meine Therapeutin schon mit mir zufrieden. Ich bemühe mich auch ganz sehr, mich in die Richtung zu wenden, in der was passiert.
Zur großen Freude meiner Eltern habe ich auch schon mal gelächelt und sogar laut gelacht. (Das Weinen und Schreien kann ich schon länger wieder, aber das fällt nicht so positiv auf.)
Einmal pro Woche werde ich auch wieder zur Schule gefahren. Es ist zwar nicht mehr meine Schule von früher, aber alle sind dort ganz lieb und nett zu mir und sorgen für immer neue, wichtige Eindrücke. Dort darf ich sogar jetzt ab und zu ins Schwimmbecken. Zu Hause bekomme ich viele Therapien, auch solche, die meine Krankenkasse nicht bezahlt, weil dort manche Menschen glauben, dass sie nicht genau genug wissen, wie gut diese mir helfen.
Meine Freunde und deren Eltern haben für mich eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Viele viele Menschen haben Geld gespendet, damit meine Eltern eine neue Treppe und einen Plattformlift einbauen können. Die Wohnung ist nämlich im ersten Stock und mein jetziges Kinderzimmer ist ganz unten. Bald ist es soweit und ich kann so oft wie ich will mit nach oben fahren. Ich kann dann mit meinen Eltern Fernsehen gucken, (vielleicht auch abends, wenn ich noch nicht schlafen will oder kann) oder ich kann auch beim Kuchenbacken und Kochen wieder dabei sein. Früher habe ich meiner Mutti immer den Kuchenteig ausgerollt, die konnte das nämlich nicht.
Leider kommen jetzt nur noch meine Freunde Frank, Matthias und Markus zu mir. Viele andere haben es zwar versprochen, aber sie waren nur ein oder zweimal bei mir. Das hat mich am Anfang ganz traurig gemacht. Matthias, Frank und Markus erzählen mir immer das Neuste aus der Schule. Sie lesen mir vor, oder spielen auf einem Musikinstrument. Leider kann ich nicht mit ihnen erzählen, aber ich höre oft ganz gespannt zu. Matthias und Frank haben sogar mehrmals auf einem Trödelmarkt in eisiger Kälte für die Spendenaktion viele Sachen verkauft, um mir zu helfen. Das sind wirklich gute Freunde. Sehr gute Freunde von meinem Vati haben es möglich gemacht, dass meine Geschichte in das Internet gekommen ist und mir dadurch noch mehr Leute helfen können. Ich will und muss endlich wieder gesund werden.
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Ich bin doch erst 15 Jahre alt!
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Für Christian - Crimmitschau im Mai 2002

 
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